KAB Frauenarbeit - eine lange Geschichte

Gleichstellung und "gleicher Lohn für gleiche Arbeit"

Neben der gesetzlich verankerten Gleichstellung ist diese bis heute in vielen Bereichen noch nicht die Realität. Auch wirken alte Rollenmodelle nach, im privaten wie im beruflichen Bereich.

Chancengleichheit, Entgeltgleichheit, Vereinbarkeit Beruf/Familie, politische Mitwirkung - das sind nur einige wenige Punkte, für die KAB Frauen und Männer weiterhin eine intensive Interessensvertretung einbringen müssen und werden.

Hierfür engagieren wir uns in verschiedenen Bündnissen, betreiben Bildungs-arbeit, bringen Diskussionen in Gang und engagieren uns politisch.

Derzeit treten wir erneut an die Bundespolitik heran mit Vorschlägen zur Verbesserung der paritätischen Elternzeit, zum Entgelt-Transparenzgesetz und der Anerkennung von Kindererziehungszeiten in der Rentenversicherung ("Mütterrente").

Frauen - Zielgruppenflyer_12-2018 final_v1_print.pdf

 

  Gleichstellung und "gleicher Lohn für gleiche Arbeit" - eine sehr lange Geschichte:

Die Überzeugung, dass die Arbeiterinnen eine starke und eigene Standes-organisation neben den Arbeitervereinen brauchen, reifte in den 1870-er Jahren. Es war nicht mehr zu übersehen, dass die Zahl der Arbeiterinnen rasant anstieg und ihre Ausbeutung deutlich wurde. Die Anliegen der Frauen sollten energisch durch Arbeiterinnenvereine vorangetrieben werden.

Der erste Arbeiterinnenverband in Süddeutschland entstand 1897 in Passau, weitere folgten.

Am 12. Februar 1906 fand die Gründungskonferenz des "Verbandes Süd-deutscher Katholischer Arbeiterinnenvereine" statt. Ausdrücklich wird dabei die "vollständige Selbstständigkeit und Unabhängigkeit" vom Bruderverband betont. Eine eigene Verbandszeitschrift, "Die Arbeiterin", existierte bereits.

Der Verband bot überwiegend jungen ledigen Frauen Rückhalt und Stärkung vor Ausbeutung. Dort erlebten sie zudem Gemeinschaft, religiösen Halt, Bildung, soziale und politische Schulung und auch Geselligkeit.

Neben Gleichstellung war die unumstrittene Hauptforderung:

"Gleicher Lohn für gleiche Arbeit"

 

Therese StuderTherese Studer Arbeitersekretärin

Therese Studer übernimmt 1908 das Amt der ersten Verbandssekretärin.  Jahr für Jahr wächst der Verband. Nach einer Erkrankung Studers wurde 1916 Aloisia Eberle als Nachfolgerin eingesetzt. Studer wurde später, 1920, zur Verbandsvorsitzenden gewählt.

 

Aloisia Eberle

Aloisia Eberle ist ab 1916 Verbandssekretärin: mit ihr hatten die katholischen Arbeiterinnen  eine überaus engagierte, sehr politische Frau an der Spitze.

Sie gehörte zu den ersten acht Frauen, die als Mitglied in den "Provisorischen Nationalrat" nach der Revolution in München am 8. November 1918 von Kurt Eisner berufen wurde. Eberle war damit die Vertreterin der katholischen Arbeiterinnen und der Arbeiter: der Rollentausch - eine Sensation!

Bei den darauffolgenden ersten Landtagswahlen im Januar 1919 wurden nur sechs Frauen gewählt. Auch hier setzte sich Eberle durch und gehörte dem Landtag bis 1924 an.

Als sie 1926 heiratete, übernahm Betty Schmalzbauer das Amt der Verbandssekretärin.

Bildnachweis: mit Genehmigung des Bildarchiv Bayerischer Landtag,           Foto Rolf Poss:

 

 

Dreißiger Jahre

1931 zeigte man sich beim Verbandstag gut aufgestellt, den Blick selbstbewusst nach vorne gerichtet. Es war längst eine Arbeiterinnen-Bewegung geworden. Die Frauen hatten ihre Interessensvertretung zunehmend selbstbewusst in die Hand genommen.

Am 2. März 1933, drei Tage vor den Reichstagswahlen, wendet man sich in einem aufrüttelnden Appell an die (katholischen) Arbeiterinnen, um drohendes Unheil abzuwenden. Der Aufruf ist ein eindrucksvolles Zeugnis dafür, dass, wer sehen wollte, auch sehen konnte, welch menschenverachtende Gewaltherrschaft die Nationalsozialisten anstrebten.

Ab 1933 wurde unter der nationalsozialistischen Herrschaft auch der Süddeutsche Verband der katholischen Arbeiterinnenvereine schikaniert, Versammlungen verboten, Kassen- und Vereinsbücher beschlagnahmt, die Verbandszeitung verboten, der Verband zum Staatsfeind erklärt, Mitglieder verfolgt  und 1939 der Verband endgültig zerschlagen.

 

Neuanfang

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges waren es an vielen Orten vor allem die Frauen, die trotz aller Belastungen der Nachkriegszeit auch den Wiederaufbau des Verbandes betrieben und die Frauen sich in ihren Gruppen trafen.

Im Oktober 1947 fand der erste Verbandstag der Arbeitervereine in Regensburg statt. "Offizielle" Arbeiterinnenvereine gab es jedoch nicht mehr.

Katholisches Werkvolk

Es sollte das von Frauen und Männern gemeinsam getragene "Katholische Werkvolk" entstehen. Trotzdem wollten sich viele Frauen weiterhin in ihren Gruppen treffen, selbst organisieren und sich engagieren. Geprägt von der Weiblichkeitsideologie der Nazis, die Frauen jegliche öffentliche Wirksamkeit abgesprochen hatten, waren diese Treffen der Ort, der sie schulte, um betriebliche und politische Verantwortung zu übernehmen.

Am 5. April 1946 wurde der "Verband Katholischer Arbeiter-, Arbeiterinnen und Angestellten-Vereine Süddeutschlands" gegründet. Auf Geheiß der Bischöfe wurde der Name später in "Katholisches Werkvolk" geändert.

Einführung der Parität in den Leitungsebenen

Die Position der Frauen auf Verbandebene war zunächst schwach, oft fühlten sich Frauen übergangen, eine eigene Verbandssekretärin gab es nicht mehr. Es bedurfte einer länger andauernden Auseinandersetzung, bis die Frauen eine gleichberechtigte Vertretung in den Gremien erreichten.

1959 kam schließlich die satzungsgemäße Gleichstellung in der KAB.

Damit war das "Werkvolk" wohl der erste Verband von Männern und Frauen der lange vor öffentlichen Quotendiskussionen Parität einführte.

Sozialpolitische Kraft

Frauen und Männer des Werkvolk wirkten als sozialpolitische Kraft an zahlreichen Gesetzesvorhaben mit,  z.B. beim Ausbau der Unfallversicherung, der Altersvorsorge und der Mitbestimmung, Mitwirkung am Auf- und Ausbau des Sozialstaates ( Wohnungsbau, Altersvorsorge, Rente für Mütter, Invalidenregelung, Lastenausgleich, Familienfürsorge)

Durch Einrichtungen und Institute sowie den Ausbau der Beratungstätigkeiten schärfte sich das Profil als
- politische Bewegung,
- Selbsthilfebewegung 
- Bildungs- und Aktionsbewegung 
- internationale Bewegung.

1970-Jahre

Sozialpolitische Forderungen und Aktionen der Frauen rückten in den Vordergrund, z. B. mit der großen Kampagne "Rente für Mütter - weils gerecht ist".

Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB)

Das „Werkvolk“ ändert 1971 seinen Namen in Katholische Arbeitnehmer-bewegung

1980-er Jahre ...

"Geringfügig Beschäftigte": Die KAB greift dieses Problem in einer Frauenfachtagung auf. Daraus entwickelt sich eine bundesweite Aktion;

Die Anerkennung der Erziehungszeiten in der Rentenversicherung wird Gesetz
- damit eine Forderung der KAB in Teilen erfüllt;

 "Weidener Erklärung": Modell zur Vollbeschäftigung und Aufwertung der Haus- und Familienarbeit;

"Sonntag muss Sonntag bleiben". Die KAB sammelt bundesweit 1,2 Mio. Unterschriften gegen die Ausweitung der Sonn- und Feiertagsarbeit.

1990-er Jahre

"Wer den Sonntag nicht ehrt, ...." KAB-Aktionen gegen die Aushöhlung des Sonn- und Feiertagsschutzes durch das geplante Arbeitszeitrechtsgesetz.

"Gerechtigkeit für Familien":  Die KAB fordert mit einer Windelaktion einen gerechten Familienleistungsausgleich.

Nachhaltigkeit wird als neues Prinzip in die Katholische Soziallehre aufgenommen.

ab 2000: KAB Deutschlands

Regionalverbände werden zum 1. Januar 2004 übergeleitet in die

KAB Deutschlands.

Verstärkte Präsenz und v.a. Netzwerkbildung,  z.B.  gegen die Arbeitsmarktreformen,  insbesondere gegen Hartz IV.

Programmatische Positionierungen, Musterprozesse, Netzwerke mit Gewerkschaften und Arbeitsloseninitiativen, kirchlichen Gruppen

bis heute

Vielfältige Bereiche wurden seitdem aufgenommen, immer wieder betrifft es auch gleichstellungs- und auch familienpolitische Themen.

Bildungsarbeit, Aufklärung, politische Arbeit und Gemeinschaft bleiben weiterhin Kern des Verbandes auf Basis der christlichen Soziallehre.

 

Aus unseren Wurzeln heraus war und ist KAB immer auch politisches Engagement und bietet Plattformen für Diskussion und Aktion:

„Christ sein heißt politisch sein!“

Wir nehmen Entwicklungen nicht einfach hin. Wir mischen uns ein. 

Sind sie dabei?

 

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