Gemeinsame Pressemitteilung von KAB, KEG, ver.di, Verband Kita-Fachkräfte Bayern, Landeselternbeirat und GEW: Für einen echten Neustart müssen mehr Geld und Qualitätsentwicklung Hand in Hand gehen. Sonst bleiben Arbeitsbedingungen, frühkindliche Bildung und Chancengleichheit auf der Strecke.
KAB, KEG, ver.di, Verband Kita-Fachkräfte Bayern, Landeselternbeirat und GEW äußern sich gemeinsam
München, 23.04.2026. Mit einer Reform des Bayerischen Kinderbildungs- und Betreuungsgesetzes BayKiBiG möchte die Staatsregierung die Bedingungen in den Bayerischen Kitas verbessern. Zu ihrem Vorhaben hat sie Verbände um Stellungnahmen gebeten. Nach dem Ende der Anhörung äußern sich KAB Bayern, KEG Bayern, ver.di Bayern, der Verband Kita-Fachkräfte Bayern, der Landeselternbeirat Bayern und die GEW Bayern nun gemeinsam zu dem Reform-Entwurf. Die Organisationen und Interessensvertretungen wollen ihr gemeinsames Anliegen unterstreichen und die Staatsregierung zu einem entschlosseneren Vorgehen ermutigen. Bei sinkender Geburtenrate biete sich nach dem quantitativen Ausbau der Kita-Kapazitäten der letzten Jahre jetzt die historische Chance, die Qualität wieder in den Mittelpunkt zu stellen.
Einhellig wird begrüßt, dass der Freistaat Bayern seinen Anteil an der Kita-Finanzierung aufstocken will. Auch die geplante Entlastung des pädagogischen Personals durch Teamkräfte ist grundsätzlich positiv. Dennoch greift der Reformentwurf aus der Sicht aller zu kurz. Er beseitigt nicht die strukturellen Mängel im Kita-Finanzierungssystem und verbessert die Bildungs- und Betreuungsqualität sowie die Arbeitsbedingungen nur am Rande. Er knüpft die staatliche Förderung nicht systematisch an Qualitätsentwicklung. Eine nachhaltige Stabilisierung des Kita-Systems, zuverlässige Betreuung und Chancengleichheit für die Kinder unabhängig vom Wohnort kann der Entwurf nicht gewährleisten. Stattdessen könnten sich lokale, regionale und soziale Unterschiede in Bayern künftig verschärfen.

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„Eine Kita mit 50 Betreuungsplätzen kann sich mit dem neuen Qualitätsbonus eine pädagogische Fachkraft mit etwa 20 Stunden pro Woche zusätzlich leisten, eine Kita mit 100 Plätzen eine 40-Stunden-Vollzeitkraft“, so Sibylle Schuster, Leiterin der Facharbeitsgruppe Kindertagesstätten (AG Kita) der KAB Bayern. „Das ist natürlich gut, aber kein Gamechanger. Das Gros der Kita-Beschäftigten wird überlastet bleiben, besser situierte Eltern und Kommunen erkaufen sich bessere Bildungschancen. Die Gefahr eines Zweiklassen-Kitasystems in Bayern bleibt leider sehr real.“
„KEG und KAB regen an, dass der Freistaat in Zukunft 90 Prozent am Basiswert der Kita-Finanzierung übernimmt“, erklärt Martin Goppel, Landesvorsitzender der KEG Bayern. „Wir brauchen eine ausreichend hohe und strukturell verlässliche Finanzierung. Bildungsqualität hängt maßgeblich von Rahmenbedingungen wie Personalschlüssel, Qualifikation des Personals und zeitlichen Ressourcen ab. Nur mit einer klaren Verknüpfung führt mehr Geld zu mehr Qualität und besseren Arbeitsbedingungen. Teamkräfte sind ein Plus, sichern aber keine professionellen Standards.“
„Die geplanten Änderungen bringen keine Verbesserungen für die pädagogische Arbeit“, erklärt Mario Gembus, zuständiger Gewerkschaftssekretär für den Bereich Erziehung, Bildung, Soziale Arbeit bei ver.di Bayern. „Der Anstellungsschlüssel muss dringend weiterentwickelt werden, denn Bayern ist nicht im luftleeren Raum. Die Bundesregierung plant in der Kinder- und Jugendhilfe massive Sparmaßnahmen, in deren Folge die Anforderungen und Belastungen für Kita-Beschäftigte weiter steigen werden. Dem muss der Freistaat durch Regelungen für eine adäquate personelle Ausstattung in den Kitas entgegenwirken.“
„Die Regierung muss dort ansetzen, wo es in der Praxis spürbar wird: beim Anstellungsschlüssel“, erklärt Jana Frey aus dem Vorstand des Verbands Kita-Fachkräfte Bayern. „Wir fordern einen verbindlichen Stufenplan, damit wir eine wissenschaftlich empfohlene Fachkraft-Kind-Relation erreichen. Pauschalen für Sprach-Kitas und pädagogische Qualitätsbegleitung sind richtig, bergen aber in der geplanten Ausgestaltung die Gefahr, dass Fachpersonal verloren geht, landesweite Qualitätsnetzwerke zusammenbrechen und sich der Flickenteppich in Bayern verstärkt.“
„Eltern erwarten eine verlässliche Betreuung im Alltag“, erklärt Monika Golling, Vorsitzende des Landeselternbeirats Bayern. „Ausfallzeiten des Personals müssen im Betreuungsschlüssel berücksichtigt, die pädagogische Qualität nachhaltig gesichert und die Eltern tatsächlich finanziell entlastet werden. Dass durch Streichungen im Gesetzestext die Mitbestimmungsrechte der Elternbeiräte ausgehöhlt werden und Regelungen zum Kinderschutz entfallen sollen, sehen wir äußerst kritisch. Ebenso, dass im Entwurf Inklusion zwar verbal gestärkt, aber nicht mit konkreten Umsetzungsmaßnahmen unterlegt wird.“
„Die Reform bleibt an vielen Stellen zu unkonkret und vergibt die Chance auf einen echten qualitativen Neustart für Bayerns Kitas“, erklärt Hilger Uhlenbrock, stellv. Landesvorsitzender der GEW Bayern. „Gerade, weil die Kinderzahlen zurückgehen, wäre jetzt der richtige Zeitpunkt, verbindliche Standards für pädagogische Qualität festzulegen und dauerhaft abzusichern. Dazu gehören mehr Zeit für Bildung, Beobachtung und Elternarbeit, verlässliche Perspektiven für Fachkräfte sowie klare Regeln für gute Beschäftigungsbedingungen. Wenn zusätzliche Mittel vor allem bestehende Lücken schließen, ohne strukturelle Verbesserungen auszulösen, bleibt die Reform hinter ihren Möglichkeiten zurück.“
260423_Gemeinsame-PM-Verbändeanhörung-BayKiBIG-Final.pdf
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