Foto: Josh Applegate/unsplash.com
Kalendarisch liegen der Equal Pay Day am 10.03., Symbol für die schlechtere Bezahlung der Frauen, und der Josefitag am 19.03. nah beieinander. Auch inhaltlich finden sich interessante Überschneidungen. Impuls von KAB-Diözesanpräses Michael Wagner.
Der Equal Pay Day ist ein symbolisches Datum. Angenommen, Männer und Frauen bekommen den gleichen Stundenlohn: Dann steht der Equal Pay Day für den Tag, bis zu dem Frauen umsonst arbeiten, während Männer schon seit dem 1. Januar für ihre Arbeit bezahlt werden.
Eine Ursache dafür liegt darin, dass Frauen oft sogenannte „unsichtbare Arbeit“, auf Englisch „emotional work“, verrichten. Unsichtbare, emotionale Arbeit – darunter fällt das Erziehen der Kinder, die Führung des Haushaltes, die Pflege von Angehörigen. Alles Arbeiten, die zeitintensiv und persönlich sehr fordernd sein können. Würden sie mit einer ordentlichen Lohnzahlung vergolten werden, würden sie ein Drittel des Bruttoinlandproduktes ausmachen.
Dennoch sind Erziehung, Haushalt und Pflege Tätigkeiten, die „Frau“ auch ohne Ausbildung verrichten kann. Also warum sollen sie dann gut und adäquat bezahlt werden? „Wertschätzung wird überbewertet“. So ist es selbstverständlich, dass Menschen in Pflege- und Erziehungsberufen arbeiten, schlechter bezahlt werden als etwa in der Finanzbranche.
Zudem sind dies auch „typisch weibliche“ Berufe. So ist es ein Skandalon unserer Gesellschaft, dass die Frauen, die das Leben emotional zusammenhalten, den Laden am Laufen halten, weniger verdienen und damit auch weniger Rente erhalten, ja, dass Armut „weiblich“ ist.
Doch gerade jetzt in der Pandemie erleben wir doch, wer unsere Gesellschaft trägt: „Gewöhnliche Menschen, die gewöhnlich vergessen werden“, so beschreibt es Papst Franziskus: „Gewöhnliche Menschen, … die weder in den Schlagzeilen der Zeitungen … noch sonst im Rampenlicht der neuesten Show stehen, die aber heute zweifellos eine bedeutende Seite unserer Geschichte schreiben“ (Patris Corde, Einleitung). Diese Gedanken veranlassten Papst Franziskus dazu, ein Jahr des Heiligen Josefs auszurufen. Ihm ist es ein Herzensanliegen, den zärtlichen Dienst der Nächstenliebe wieder einen ins öffentliche Bewusstsein und Gewissen zurückzuholen.
Dass er dazu den Heiligen Josef als Vorbild erwählt hat, hat sicher auch damit zu tun, dass Papst Franziskus am Josefitag 2013 in sein Amt als Bischof von Rom eingeführt worden ist. In seiner Ansprache fordert er auf, es zu wagen, Zärtlichkeit zu leben. Denn Zärtlichkeit „deutet auf eine Seelenstärke“ hin. Und dass er Josef als Vorbild wählt, ist eine Nachricht gerade auch an das vermeintlich starke Geschlecht. Denn alle Macht, die ausgeübt wird, so mahnt Franziskus, hat sich daran zu messen, inwieweit sie ein Hüter dafür ist, dass Güte und Zärtlichkeit gelebt werden.
Liebe ist stark, weil sie zart ist. Sich dafür stark zu machen, ist lebensnotwendig. Denn erst dann, wenn der Equal Pay Day – wie es die KAB fordert – verschoben wird und am 1. Januar gefeiert werden kann, sind Frauen und Männer gleichberechtigt. Nicht zufällig ist der 1. Januar auch der Weltfriedenstag. Frieden ist nur möglich, wenn alle Menschen gleich sind.
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