München, 19. Februar 2011
Das Jahresschwerpunktthema des Diözesanverbandes München und Freising e.V. war Anlass, um mit Dr. Manuela Matschke (Hans-Böckler-Stiftung) sowie Dr. Peter Döge (Politikwissenschaftler) über Fakten und Lösungen in der Geschlechterdebatte zu diskutieren. Nach wie vor haben wir in Deutschland eine Lohndifferenz von 23% zwischen den Geschlechtern, rund 80% der Minijobberinnen sind weiblich, auch Teilzeitbeschäftigung ist überwiegend weiblich, nicht zuletzt ist und bleibt Altersarmut ein eher weibliches Problem, so Dr. Matsche. Sie plädierte u.a. dafür, dass Tarifverträge noch besser gemacht werden könnten im Sinne der Gleichbehandlung oder dass eine variable Quotenregelung eingeführt werden müsste.
Dr. Peter Döge (Politikwissenschaftler) hingegen konnte sich wenig mit der Quotenregelung anfreunden. Diversity Management sei die Lösung des Problems, man müsse vom Lebendigen her denken - so der Politikwissenschaftler. Es gibt die hegemoniale Männlichkeit, die aber nicht reproduktionsbezogen ist. Durch Quotenregelungen würde man lediglich erreichen, dass Frauen in Führungspositionen kommen, die dem männlichen Führungsverhalten nacheifern. Aber wollen wir das? Wollen wir, dass Männer die Norm setzen? Solange das so ist, wird es keine Veränderung geben, so das Statement des Referenten.
Das Vereinbarkeitsproblem wird immer nur als Frauenproblem bezeichnet – aber auch Männer haben ein Vereinbarkeitsproblem. Dass Haus- und Familienarbeit nicht als Arbeit gelte, sei nach wie vor eine große Schwierigkeit in der ganzen Gleichstellungsdiskussion. Dr. Döge plädierte daher für einen grundlegenden Kulturwandel in der Geschlechterdebatte: Wir müssen beispielsweise Gleichwertigkeit schaffen im Umgang mit Unterschieden in den Lebensmustern. Wir müssen uns auch damit abfinden, dass es keine homogenen Geschlechtsgruppen gibt. Daher sollten wir immer wieder die Frage stellen: Was ist Biologie und was Kultur? Da wir das aber nicht genau wissen, müssten wir mehr von der Motivation her denken. Denn Männer und Frauen lassen sich anscheinend für Unterschiedliches begeistern.
Den Königsweg für gleiche Chancen und gerechte Bedingungen gibt es leider nicht. Nichtsdestotrotz muss es Ziel bleiben, gleiche Chancen und gerechte Bedingungen zu schaffen. Mit welchen Instrumenten sich das verwirklichen lässt, wissen wir heute nicht genau, aber wir sollten die möglichen Maßnahmen weiterhin in der Öffentlichkeit diskutieren: Brauchen wir eine Quotenregelung? Könnte man „Frauenberufe“ finanziell aufwerten? Würden damit vielleicht auch mehr männliche Erzieher und Grundschullehrer gewonnen? Wie werden unsere Kinder erzogen – spielen Geschlechterschemata dabei eine Rolle? Welches Bild habe ich selbst von „Frau“ und „Mann“? Gilt nach wie vor „Blau für Jungs“ und „Rosa für Mädchen“?
Der Diözesanverband München und Freising e.V. wird dieses Thema im Jahr 2011 intensiv diskutieren.
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