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Konsumrausch vor Weihnachten: "Alles muss sich ändern?"

Symbolbild.

Jeder weiß, dass übermäßiger Konsum unserem Planeten schadet. Doch Weihnachtszeit ist Shoppingzeit, oft siegt die Gewohnheit über die Vernunft. Wie können wir Veränderung schaffen? Ein Kommentar von Betriebsseelsorgerin Irmgard Fischer.

Von Irmgard Fischer, Diplom-Theologin und Betriebsseelsorgerin 

„Alles muss sich ändern, und zwar heute“. Dieser Satz stammt von der Klima-Aktivistin Greta Thunberg. Wenn wir die Nachrichten verfolgen, können wir dem oft nur zustimmen. Wir hören zum Beispiel Berichte über verheerende Waldbrände in Australien, weil es in großen Regionen viel zu trocken ist. Jugendliche und auch so mancher Erwachsene gehen zu Demonstrationen, um sich für Veränderungen einzusetzen. Viele haben grundsätzlich verstanden, dass wir nicht so weitermachen können, weil unser System den Planeten frisst. Sei es nun die Klimaerwärmung, das rasante Artensterben oder der nicht zukunftsfähige Verbrauch an Ressourcen in den Industriestaaten.

Wir verfolgen die Weltklimakonferenz und ärgern uns vielleicht über die dürftigen Ergebnisse. Die Politiker tun sich schwer, Maßnahmen zu beschließen, die wirklich etwas ändern. Die Wirtschaftslobby sitzt ihnen im Genick und wohl auch die Wähler und Wählerinnen. Es soll sich viel ändern, aber wirklich verzichten? Das scheint kaum jemand zu wollen, erst recht nicht an Weihnachten.

Wider Gewohnheit und Verlockung

Nun braucht es sicher in erster Linie massive politische Maßnahmen, um unser System zu verändern. Aber es braucht auch ein gewaltiges Umdenken in der breiten Gesellschaft. Wie schwer das im Alltag ist, kennt auch fast jeder/jede. Wir werden verlockt und mit allen psychologischen Tricks verführt, zu kaufen. Für jeden Sport ein eigenes Outfit, das neueste Handymodell fast geschenkt für den neuen Vertrag, Tüten voll mit Kleidung – richtige Schnäppchen am Black Friday. Die Gans für den Weihnachtsbraten – super billig aus Polen oder Ungarn, sie wurde qualvoll gestopft und zweimal lebendig gerupft.

Advents- und Weihnachtszeit ist „Shoppingzeit“. Die Konsumfreude der Verbraucher stützt das schwächelnde Wirtschaftswachstum und wird als gute Nachricht verkündet. Wie soll das gehen, „alles muss anders werden und zwar heute“? Elektrifizierte SUV oder Elektroroller in der Stadt, die uns auch noch den letzten Meter Fußweg abnehmen, werden die Änderung nicht bringen.

Eingefahrene Routine und Gewohnheiten haben durchaus ihren Sinn. Wir brauchen nicht jedes Mal neu zu überlegen, wie wir etwas machen wollen, wir folgen der Routine. Gewohnheiten reduzieren den komplexen Alltag und geben Struktur. Aber unsere Konsumgewohnheiten sind nicht zukunftstauglich oder „enkeltauglich“. Es sind langfristig tödliche Gewohnheiten.

Mehr Beziehung, weniger Konsum

Wie entsteht also aus dem „wir müssten etwas tun“ ein „wir wollen etwas tun“?

Vielleicht indem wir miteinander zu reden anfangen, was uns wirklich wertvoll und wichtig ist. Was ist mir so wichtig, dass ich mich dafür einsetzen möchte? Welche von meinen Gewohnheiten tun mir wirklich gut? Was belastet mich und wäre es sogar befreiend, damit aufzuhören?

Wenn Sie sich diese Fragen stellen, wie würde dann zum Beispiel Ihre zukunftsfähige Advents- und Weihnachtszeit aussehen? Ginge das ganz ohne besondere Geschenke, ohne Shoppen? Würden vielleicht die Bäume im Wald stehen bleiben und für uns weiter CO2 in Sauerstoff verwandeln? Reichen ein paar Zweige mit Glitzerkugeln, Kerzen und ein leckeres Essen?

Es könnte auch ganz spannend sein, miteinander ins Gespräch zu kommen, was wir wirklich brauchen an diesen Festtagen, um es gut miteinander zu haben. Vielleicht zeigen sich dann Wege, Wertschätzung und Zuneigung auszudrücken ohne Geschenke. Beziehungsqualität entdecken statt Konsumrausch – ein gutes Modell nicht nur für Weihnachten. Wie soll göttliche Liebe sichtbar werden – wenn nicht über unsere Herzen, in unseren Beziehungen?

Gedanken – wie stärkende Begegnung geschehen kann

Begegnung

Offen, neugierig
ein wohlwollender Raum zwischen uns
Verstehen was im anderen vorgeht,
was sie/ihn bewegt oder auch belastet
das Anderssein hat Platz und kann stehen bleiben
ohne Bewertung oder Abwertung
ohne ach wie Toll, ach wie schrecklich
ohne Leistungsdruck – so da sein dürfen, wie es gerade ist
vielleicht auch miteinander etwas tun,
arbeiten, spielen
gegenseitige Inspiration
im Fluss, Flügel bekommen

heilsamer Raum, Momente jenseits von Zeit
Freude, beglückendes Dasein

Göttliche Berührung

 

Irmgard Fischer

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