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Hannes Kreller und Joachim Unterländer im Gespräch

Es muss darum gehen, dass die Menschen von ihrer Arbeit leben können

Über den Einfluss der KAB in der Politik. Hannes Kreller, Diözesanvorsitzender, im Gespräch mit Joachim Unterländer, MdL, CSA-Vorsitzender und Vorsitzender des Landeskomitees der Katholiken in Bayern.

Kreller: Joachim, was hat dich bewogen, dich in der KAB zu engagieren?

Unterländer: Nachdem ich seit meiner Jugend gläubiger und praktizierter Katholik und immer schon sozial angehaucht war, war für mich klar, dass ich in die KAB einsteige. In den 70er Jahren war ich Gründungsmitglied der KAB Gruppe St. Nikolaus am Hasenbergl.

Kreller: Bei mir hat den Ausschlag gegeben, aus der christliche Botschaft heraus etwas gegen Benachteiligung in unserer Gesellschaft zu tun. Dazu macht es Spaß, man trifft viele Leute, bekommt interessante Ideen mit. Und es ist uns gelungen, in verschiedenen Bereichen auch zu beeinflussen.

Unterländer: Ja, von der katholischen Soziallehre ausgehend ist die KAB die Gruppierung, in der man gesellschaftliche Positionen diskutieren und Forderungen an die Politik stellen kann.

Kreller: Du bist selbst Landtagsabgeordneter. Welche Bedeutung hat die KAB für die Gesellschaft? Wie hast du sie erlebt und vor allem: Kommen die Ideen der KAB im politischen Spektrum überhaupt vor?

Unterländer: Nun, insbesondere für christlich und sozial geprägte Menschen – aus den verschiedensten Parteien – ist die KAB ein wichtiger Ideen- und Impulsgeber. Ich sage ganz klar: Ohne die KAB hätte die Sozialgeschichte unseres Landes ärmer und anders ausgesehen.

Kreller: Wo siehst du die KAB-Einflüsse im politischen Bereich?

Unterländer: In der Familienpolitik oder in der Pflege- und Gesundheitspolitik, darüber hinaus in aktuellen gesellschaftlichen Fragen: Sonntagschutz, Arbeitsrecht oder Überlegungen zum Arbeitsmarkt. Positionierungen wurden und werden von einflussreichen Politikern, auch z.B. in meiner Partei CSU, übernommen, weil die KAB dort Glaubwürdigkeit hat.

Kreller: Wichtig ist uns die Frage der Solidarität. Wir haben beispielsweise gut 10.000 Unterschriften für die paritätische Finanzierung der Krankenkassenbeiträge gesammelt. Oder für die Mütterrente einige 100.000 Unterschriften und so die politische Entscheidung maßgeblich beeinflusst. Wenn eine Familie vier vor 1992 geborene Kinder hat, sind das über 700 Euro mehr in Jahr. In der Pflegeversicherung haben wir sehr viel Einfluss auf die Einführung der Pflegegrade genommen, über die z.B. Demenzkranke und ihre Angehörigen deutlich stärker unterstützt werden. Dies alles passiert mit den Jahresbeiträgen der KAB-Mitglieder – wir können damit eine Menge für mehr Solidarität und Gerechtigkeit in der Gesellschaft erreichen.

Unterländer: Ja, man sieht insbesondere in der Sozialpolitik, dass die KAB ganz klare Positionen hat und sie auch einbringt. Und das ist für uns wichtig.

Kreller: Welche Themen sollte die KAB aus deiner Sicht auch in Zukunft aufgreifen?

Unterländer: Eines der zentralen Themen ist die Digitalisierung, Schlagworten Wirtschaft und Arbeit 4.0. Diskutiert werden müssen die Auswirkungen auf die Beschäftigten, das Arbeitsrecht, auf Chancengleichheit und unsere Gesellschaft insgesamt. Ein weiteres wichtiges Thema ist die Integration von Zuwanderern, eine Aufgabe gerade für uns christlich orientierte Sozialpolitiker. Und zum Dritten die Vermeidung und Bekämpfung von Armut. Es muss uns darum gehen, dass die Menschen von ihrer Arbeit leben können und eine gute Arbeit haben. Das ist die Aufgabe der KAB wie auch die der christlich geprägten Politik.

Kreller: Zur Frage der Vermögenverteilung und Armut findet man im Koalitionsvertrag wenig, wir hätten uns mehr gewünscht. Denn wir erleben eine massive Spaltung in der Gesellschaft und erwarten von der Politik, dass sie intensiv in diese Frage einsteigt und Solidarität fördert.

Unterländer: Auch diesen Punkt teile ich vollständig. Die Vermögensbildung in Arbeitnehmerhand, eine alte Forderung der katholischen Sozialpolitik, sollte wieder Konjunktur erhalten und der Arbeitnehmer aus Gerechtigkeitsgründen am Gewinn beteiligt werden.

Das ganze Interview finden Sie hier.