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Christa Stewens zum 70. Geburtstag

Auf der Internetseite von Christa Stewens finden die Leser folgende Textzeile: "Überall, wo wirklich Leben ist, ist auch eine Spur von Glück" (Dr. Anselm Grün, Benediktinerpater). Auf eine Spur Glück wie auf hart erarbeitete Erfolge kann KAB Mitglied Christa Stewens zurückblicken. Mitten im Leben stehend hat sie ihren Glauben und Werte in ihr Engagement und politische Arbeit eingebracht.

Stewens wurde 1945 in Altötting geboren, ist verheiratet und lebt in Poing. Die große Familie hat ihr immer viel Kraft gegeben und hält sie fit: sie ist stolz auf 6 Kinder und 24 Enkel/innen.

Als Abgeordnete der CSU gehörte sie von Oktober 1994 bis Oktober 2013 dem Bayerischen Landtag an. Von 2001 bis 2008 war sie Bayerische Staatsministerin für Arbeit und Sozialordnung, Familien und Frauen und von April bis Oktober 2013 Vorsitzende der CSU-Landtagsfraktion. Sie engagierte sich u. a. viele Jahre im Gemeinderat, Bezirkstag und bis heute im Kreistag von Ebersberg. Zwar hat sie 2013 nicht mehr kandidiert und die politische Bühne im Landtag 2013 verlassen, es ist für sie aber Ehrensache weiter engagiert zu bleiben, z. B. als Stiftungsratsvorsitzende der Stiftung "Zentrum für Qualität in der Pflege" ZQP oder als Vorstandsmitglied der Bayerischen Landesstiftung.

Anlässlich ihres Geburtstages konnten wir die Ehrenbürgerin von Poing besuchen und zur KAB befragen:

Was hat Sie zu einer KAB-Mitgliedschaft bewogen?

Ein ehemaliger Landtagskollege von mir, Konrad Breitrainer aus dem Landkreis Rosenheim, reiste durch Oberbayern und hielt Vorträge über die Grundsätze und Ziele der KAB. Insbesondere die Aussagen zur Familienpolitik, wie zum Beispiel die bessere Anerkennung der Erziehungszeiten in der Rente fanden meine Zustimmung und dies wollte ich unbedingt unterstützen und daher wurde ich Mitglied der KAB.

Haben die Inhalte der KAB Sie in Ihrer politischen Arbeit begleiten können?

Ja, selbstverständlich. Ein wichtiges Thema ist für mich die Altersarmut. Sie wird für die nächsten Generationen in Deutschland ein ernsthaftes Problem werden. Daher hat mich das von der KAB vorgeschlagene Rentenmodell mit der Sockelrente fasziniert. Leider scheiterte dieses Modell bisher an der Finanzierung der Sockelrente.

Auch beim Sonntagsschutz waren die Aussagen der KAB eine Schutzmauer gegen eine weitere Aufweichung der Öffnungszeiten an Sonn- und Feiertagen. Die ständige Zunahme der Flexibilisierung der Arbeit benötigt klare Grenzen. Familien brauchen Zeit für die Kinder, daher ist der Schutz an Sonn- und Feiertagen nicht nur für den Kirchgang wichtig, sondern auch für eine notwendige Arbeitsruhe und für ein erfülltes Leben mit den Kindern. An oberster Stelle bei den Kinderwünschen steht, dass Mutter und Vater mehr Zeit mit ihnen verbringen. Hier erfuhr ich als Arbeitsministerin eine bedeutsame Unterstützung durch die KAB.

Die vielen KAB-Themen sind heute leider aktueller denn je und  bekamen erneut Rückenwind durch die Enzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus. Der Papst ermahnt darin alle Menschen in ihrem Konsum, Wirtschaftsdenken und Ressourcenverbrauch zu einer radikalen Umkehr und er unterstützt besonders die Belange der Schwachen und Armen. Wie würden Sie sich eine Veränderung in Gesellschaft und Sozialpolitik vorstellen?

Der Begriff Nachhaltigkeit kommt aus der Bewirtschaftung der Wälder im späten Mittelalter. Dahinter steht die Philosophie die Natur nicht auszuplündern, sondern bei der Nutzung der natürlichen Ressourcen immer die Regerationsfähigkeit der unterschiedlichen Naturräume im Blick zu haben. Hier kann man gut Parallelen zu einer Sozialpolitik des "Förderns und Fordern" ziehen. Als Sozialministerin habe ich Sozialpolitik unter der Überschrift "Nachhaltige, aktivierende Sozialpolitik" neu ausgerichtet. Die Sozialversicherungen wurden reformiert, für die Selbsthilfegruppen wurde ein Netz geknüpft, die Ehrenamtskarte für bürgerschaftliches Engagement, eine versicherungsrechtlichen Absicherung fürs Ehrenamt wurde eingeführt, die Kinderbetreuung insbesondere für die unter Dreijährigen wurde ausgebaut, die Familien wurden stärker unterstützt und vieles mehr, um nur einige Beispiele zu nennen. 

Zur Zeit erleben wir einen Flüchtlingsstrom, ja eine Völkerwanderung aus arabischen und afrikanischen Staaten. Das Flüchtlingselend ist groß. Wir müssen lernen bescheidener zu werden, mit den Ressourcen dieser einen Erde bewusster umzugehen und bereit sein zu teilen.

Das Prinzip der Nachhaltigkeit muss sich in allen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bereichen widerspiegeln, nur so wird sich eine Veränderung einstellen. Daher ist die Enzyklika des Papstes ein wichtiger Aufruf an die Menschheit. 

Unsere KAB-Vorstandschaften sind weitgehend paritätisch besetzt. Viele Frauengruppen - auch Frauen aus der KAB - wollen eine paritätische Besetzung von Frauen und Männern auf den Wahllisten durchsetzen, um damit die Chancen für Frauen zu verbessern. Was halten Sie davon? Was wäre aus Sicht Ihrer politischen Erfahrung dringend notwendig, damit sich mehr Frauen ein politisches Mandat vorstellen können?

Junge Frauen haben es heutzutage nicht leicht. Oft haben sie Kinder, einen Ehemann und sind erwerbstätig. Da werden sie zerrieben zwischen ihren vielen Aufgaben, die alle perfekt bewältigt werden sollen. Außerdem haben wir eine stetige Zunahme von Alleinerziehenden. Die Arbeitswelt nimmt nach wie vor zu wenig Rücksicht auf die Bedürfnisse von Frauen und Familien. Frauen sind übrigens überproportional in den Elternbeiräten, Pfarrgemeinderäten und in Sportvereinen (zuständig für die Wäsche), vertreten. Viele Frauen können sich keine zusätzlichen Aufgaben, wie ein politisches Mandat, das viel Zeit erfordert, vorstellen.

Daher ist es wichtig, Frauen Mut zu machen, damit sie sich für Führungsauf-gaben in der Politik bewerben. Es hat sich einiges verbessert, aber von der Parität sind wir noch weit entfernt, was mit den oben genannten Ursachen zusammenhängt. Von einer Zwangsparität halte ich nicht viel, eine Quote ist nach meiner Auffassung sinnvoller.

Konnten Sie Ihre sozialpolitischen Ziele verwirklichen? Was ist Ihre schönste Erinnerung dazu?

Vieles konnte ich verwirklichen, aber es ist auch Einiges auf der Strecke geblieben, was ich mir vorgenommen hatte. Ein sehr großes Anliegen war für mich die Verbesserung der Situation der älteren Menschen, die pflegebedürftig oder auch dement sind, die sich nicht mehr selbst helfen können. Hier hat die Politik die wichtige Aufgabe genau hinzuschauen und die Pflegesituation stetig zu verbessern. Ich war regelmäßig auf den Pflegestammtischen in Bayern, um den Menschen zuzuhören, zu erfahren, wo die Rahmenbedingungen verbessert werden müssen, wo es brennt. Wenn ich hier helfen konnte, waren das für mich sehr schöne Momente!

Wir danken für das sehr interessante Gespräch und wünschen noch viele Jahre Gesundheit, Schaffenskraft und Erfolg, weiterhin viel Freude im Kreise einer wunderbaren Familie und Gottes Segen!

KAB Diözesansekretariat
Rosenheim Gudrun Unverdorben
September 2015

Christa Stewens 70

Foto (von links nach rechts) : Pfarrer Herbert Walter, Präses KAB Markt Schwaben (Lkrs. Ebersberg) Christa Stewens, Bay. Staatsministerin a.D. und stellvertretende Ministerpräsidentin a.D. Gudrun Unverdorben, KAB Diözesanbüro Süd, Rosenheim