KAB Diözesanverband München und Freising e.V.
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Noagalzuzla - oder reichen die Renten?

Veranstaltung am 23.07.2017

Die KAB Diözesanverbände Augsburg, München-Freising, Passau und Würzburg luden am 23.07.2017 zu einer Tagesveranstaltung zum Thema "Reichen die Renten der Zukunft?". Die Veranstaltung begann mit einem Gottesdienst in St. Anton, musikalisch sehr schön begleitet durch die Feldkirchner Blaskapelle. Der Gottesdienst, gehalten von Landespräses Franz Schollerer und Diözesanpräses des Diözesanverbands München und Freising, Michael Wagner, bereitete von einer anderen Seite her auf die anschließende Podiumsdiskussion vor - hier stand die Frage nach dem Wert und der Würde des Menschen im Fokus. Michael Wagner nahm darauf in seiner Predigt Bezug: Der Mensch als Abbild und Ebenbild Gottes hat keinen Wert, er besitzt Würde! 

Im Anschluss gingen die Gottesdienstbesucher ins Zunfthaus, um sich dort für die Podiumsdiskussion mit Claudia Roth (Bündnis90/Die Grünen), Tobias Zech (CSU), Uli Grötsch (SPD), Susanne Ferschl (Die Linke) und Daniel Föst (FDP) zu stärken. Eine klare Tendenz war bei der Diskussion spürbar: hin zu mehr Solidarität durch eine Reform der Rentenversicherung zu einer Erwerbstätigenversicherung, auch wenn nicht alle Parteien sofort überzeugt waren.

von links: SPD-Generalsekretär Uli Grötsch, Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Bündnis 90/Die Grünen),
Moderator Wolfgang Küpper (Bayerischer Rundfunk), MdB Tobias Zech (CSU), Susanne Ferschl (Die Linke),
FDP-Generalsekretär Daniel Föst und KAB-Rentenexperte Peter Ziegler

Eine breite Koalition für Erwerbstätigenversicherung

SPD, Bündnis90/Die Grünen und auch Die Linke schließen sich der KAB-Forderung nach einer Reform der Rentenversicherung zu einer Erwerbstätigenversicherung an. Bei einer KAB-Podiumsdiskussion in München erklärten Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth, SPD-Bundestagsabgeordneter Uli Grötsch und die Bundestagskandidatin Susanne Ferschl, dass Altersarmut nur mit mehr Solidarität bekämpft werden kann.

Eine Absage, alle Erwerbstätigen in eine solidarische Altersversorgung aufzunehmen erteilte der CSU-Politiker Tobias Zech und Daniel Föst von der FDP ab. „Wir wollen nicht, dass alle in einen Topf einzahlen“ sagte Zech, der Mitglied in der KAB und im Sozialausschuss des Deutschen Bundestages ist.

Laut einer Studie ist im Jahre 2036 jeder fünfte zukünftige Rentner von Altersarmut betroffen. Grund genug für die KAB-Diözesanverbände Passau, Augsburg, München und Würzburg neben Föst (FDP) und Zech (CSU) auch Claudia Roth (Grüne) , Susanne Ferschl (Die Linke) und Uli Grötsch (SPD) nach Auswegen aus der Armutsfalle im Beruf und Alter zu befragen. Zu der Veranstaltung unter dem Motto „Mit dem KAB-Modell der KAB reichts auch für a ganze Mass!“ kamen knapp hundert Interessierte ins Münchener Zunfthaus.

„Es ist nicht hinnehmbar, dass schon in 13 Jahren 50 Prozent der Frauen von Altersarmut bedroht sind, 80 Prozent werden weniger oder gerade die Grundsicherung haben“, betonte Claudia Roth. Es sei jetzt die zentrale Aufgabe der Politik darauf zu reagieren. Sie kritisierte die Union, die die Reformen erst ab 2030 ins Auge fasse.Wie dringend der Handlungsbedarf ist, machte KAB-Diözesansekretär Peter Ziegler deutlich: „Schon jetzt sind über zehn Prozent armutsgefährdet“. Bereits bei jedem zweite Fall der KAB-Rentenberatern gehe es um Menschen, die in die Grundsicherung geschickt werden.

Rente in Würde

Der SPD-Politiker Uli Grötsch schlägt neben der Erwerbstätigenversicherung eine Solidarrente, Grünen-Politikerin Roth eine Garantierente, die besonders Frauen nütze, vor. Für die langjährige Betriebsrätin Susanne Ferschl ist eine „Mindestrente in Höhe von 1050 Euro pro Monat für alle vor der Expresso der Links-Partei“. Dagegen stellt sich für den CSU-Sozialpolitiker Zech das Altersarmutsproblem noch nicht. „Lediglich drei Prozent der Rentner erhalten eine Grundsicherung!“ Und auch FDP-Politiker Föst setzt nicht auf eine konkrete Absicherung vor Armut, sondern auf Bildung, Vermögensaufbau und den derzeitigen Rentenbausteinen aus der Pflichtversicherung, sowie der betrieblichen und privaten Vorsorge.

Dieses „Baukasten-Prinzip“ werde angesichts der Digitalisierung und Arbeit 4.0 immer weniger nützen, meint Uli Grötsch. Schon jetzt erreichten bayerische Frauen im Durchschnitt keinen Rentenanspruch, sprich, sie bleiben in der Grundsicherung. „Wir brauchen eine würdevolle Rente. Dabei ist die Frage, wie hoch ist sie, und wann wird die Rente erreicht?, entscheidend“.

Vorschläge führen nicht aus der Grundsicherung

Dass die jetzigen Vorschläge nicht aus der Armutsfalle führen, machte KAB-Rentenexperte Ziegler klar. „Lediglich 1,3 Prozent der heutigen Grundsicherungsbezieher würde von einer Solidar-, Mindest- oder Garantierente profitieren. Dagegen profitieren von der Sockelrente des KAB-Modells alle, da die Pflichtversicherung addiert werde“. Einig waren sich alle, dass mit dem Wandel der Arbeitswelt die soziale Sicherung im Alter und in der Arbeit verstärkt werden müsse. „Denn schon heute beginnt jedes zweite Arbeitsverhältnis befristet“, so SPD-Politiker Grötsch.
KAB-Diözesansekretär Peter Ziegler machte in diesem Zusammenhang klar, dass es ohne eine Reform des Arbeitsmarktes und einer deutlich stärkeren Anerkennung sozialer und gemeinwohl orientierter Arbeit und Ehrenamtsarbeit nachhaltig Altersarmut nicht verhindert werden kann.

Alle Podiumsteilnehmer*innen versprachen nach der Bundestagswahl im September sich noch stärker mit der solidarischen Alterssicherung der katholischen Verbände zu beschäftigen. Bis dahin wird die KAB mit der Kampagne „sie-planen-deine-altersarmut“ weiter Druck im Bundestagswahlkampf machen: Sie planen deine Altersarmut.